Konnekt: Interkommunale Kooperation und Transformation als Grundlage einer regionalen Kreislaufwirtschaft und einer nachhaltigen Regionalentwicklung im Landkreis Saarlouis

Flächenkreislaufwirtschaft

Stärkung der Ortsmitten von Nalbach

Autor: Dorothee Siemer, IZES gGmbH

Bis 2050 soll – den Zielen der Deutschen Nachhaltigkeitsstrategie entsprechend – durch einen Übergang zur Flächenkreislaufwirtschaft Fläche im Außenbereich nur noch dann in Anspruch genommen werden, wenn an anderer Stelle in gleichem Umfang versiegelte Flächen an die Natur zurückgegeben werden („Netto-Null-Flächenverbrauch“). Am Beispiel der Gemeinde Nalbach wurden konzeptionelle Ansätze entwickelt, um die Ortsmitten der Gemeinde zu stärken. Denn durch einen intakten Ortskern kann der Flächenverbrauch im Außenbereich verhindert werden. Beispielsweise können Leerstände reaktiviert, Baulücken geschlossen, ineffizient genutzte Flächen durch das Aufstocken oder die Umnutzung von Gebäuden aufgewertet und vorhandene Infrastruktur weiterhin genutzt werden. Für bestimmte Zielgruppen, die einen nachhaltigen Lebensstil pflegen und die Fläche ganz bewusst nur in einem Umfang beanspruchen, in dem sie diese auch wirklich benötigen, wurden Konzeptideen zur Stärkung der vier Ortsmitten entworfen.

Abbildung: Flächenkreislaufwirtschaft (Grafik: D. Siemer; auf Grundlage von: Fläche im Kreis – Forschungsgruppe 2005, S. 9)

Was bedeutet Flächenkreislaufwirtschaft? Das aus anderen Wirtschaftsbereichen (z. B. Abfall- oder Wasserwirtschaft) bekannte Kreislaufprinzip wird auf die Ressource Fläche übertragen. Ziel ist es, möglichst alle Flächenpotenziale im Bestand systematisch auszuschöpfen, damit so wenig wie möglich unversiegelte Flächen im Außenbereich von Siedlungen neu in Anspruch genommen werden müssen. Gleichzeitig müssen im Bestand die Anforderungen an eine lebenswerte Siedlungsstruktur beachtet werden; also z. B. viel Begrünung, damit es im Sommer nicht zu heiß wird, genügend unversiegelte Flächen, damit Starkregen gut abfließen kann, kurze Wege, damit sie problemlos zu Fuß oder mit dem Rad zurückgelegt werden können. Sollte doch mal eine neue Fläche im Außenbereich bebaut werden, muss an anderer Stelle eine genauso große Fläche der Natur zurückgegeben werden.


Flächenkreislaufwirtschaft im Ortsteil Nalbach

Wie wäre es, wenn Nalbach als der urbanste der vier Ortsteile seine Stärken ausbauen und die Schwächen durch die große Leerstandsproblematik nutzen würde, um für eine engagierte und kreative Zielgruppe attraktiv zu werden? Modern, trendbewusst, digital vernetzt und weltoffen – stets auf der Suche nach neuen Herausforderungen und ungewöhnlichen Erlebnissen, Lösungen und Erfolgen. Ihre Saarlandverbundenheit und Selbstdarstellungskompetenz könnte sie beispielsweise rund um das Thema Radverkehr (Entwicklung, Bau, Verkauf und Vermietung, Events, Tourismus etc.) einsetzen. In der Umgebung von Nalbach existieren schon heute vielfältige Radtouren, die bekannter gemacht und deren Potenziale ausgeschöpft werden könnten. Eine Marketingstrategie „Rad“ (Mountainbike, Pedelec, Lastenrad etc.) könnte Nalbach in seiner Entwicklung stärken.

Status quo

Konzeptideen


Flächenkreislaufwirtschaft im Ortsteil Bilsdorf

Stellt Euch mal vor – die bestehende „Scheune“ in Bilsdorf könnte zum Begegnungspunkt aller Bürgerinnen und Bürger werden, die Dorfstraße könnte wieder als Aufenthaltsort ins Bewusstsein der Bevölkerung rücken. Mithilfe mobiler Elemente wie Sitzbänke, Baumtröge, Sonnenschirme, Spielgeräte, Rollrasen, Fahrradboxen oder Marktstände könnte an einem Wochenende die Wirkung eines lebendigen Ortsmittelpunktes ausprobiert werden. Und dann, wenn Euch der Test überzeugt hat, können alle zusammen bei der Umsetzung mitarbeiten.

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Flächenkreislaufwirtschaft im Ortsteil Körprich

Ziel von Konnekt war es, im Landkreis Saarlouis den Weg für eine gelebte interkommunale Kooperation aufzuzeigen; auch bei der Flächenkreislaufwirtschaft. Erste Ansätze und potenzielle Bausteine existieren, werden aber bisher noch nicht in einer einheitlichen Strategie genutzt. Welche Chancen für die Bevölkerung bietet eigentlich so eine gemeindeübergreifende Zusammenarbeit?

  • Langfristige, kohärente Flächenentwicklungspläne verhindern widersprüchliche Entwicklungen und schaffen Verlässlichkeit für die Bevölkerung.
  • Ausgewogenheit von Angebot und Nachfrage und dadurch konstante Immobilienwerte.
  • Vermeidung langer Wege durch Vermeidung von Zersiedelung und Flächenausweitung am Siedlungsrand.
  • Geordneter Flächenverbrauch, geringere Versiegelung, bessere ökologische Vernetzung und Erhalt von Biodiversität.
  • Schaffung unterschiedlicher Wohn- und Arbeitsangebote, die zu den Lebensformen und -stilen, zum Struktur- und demografischen Wandel passen.
  • Breitere Einbindung der Bevölkerung, bessere Informationstransparenz und partizipative Entscheidungsprozesse.
  • Bessere Kooperationsnetzwerke für Bildungseinrichtungen, Vereine und Bürgerinitiativen bieten mehr Lern- und Mitmachmöglichkeiten.
  • Gemeinsame Projekte der lokalen/ regionalen Wirtschaft fördern neue Ideen, Kooperationen und lokale Wertschöpfung.
  • Skaleneffekte bei Beschaffung, Infrastruktur und Verwaltung senken Planungs- und Betriebskosten.
  • Erhöhung der Chancen für soziale Integration durch Mischung und Dichte (anstelle z.B. von Vereinsamung im Alter).
  • Entlastung privater Haushalte durch innovative Lösungen wie gemeinschaftlich finanzierte Gästezimmer, PKW, Lastenfahrräder etc.

Status quo

Konzeptideen


Flächenkreislaufwirtschaft im Ortsteil Piesbach

Gibt es überhaupt eine Nachfrage nach weniger Fläche, die ganz bewusst nur in einem Umfang beansprucht wird, in dem sie auch wirklich benötigen wird?

Aus den Ergebnissen zweier Studien lässt sich ableiten, dass das Potenzial in der Gesellschaft vorhanden ist, um das Ziel der Flächenkreislaufwirtschaft anzugehen. Mindestens einem Viertel der Befragten, bei den meisten Fragen deutlich mehr, ist die Verfügbarkeit von großen eigenen Flächen nicht wichtig. Sie können sich das Abgeben oder Teilen von Flächen vorstellen, bevorzugen Grünflächen statt zu große Wohnflächen oder Flächen für Kraftfahrzeuge. Auch wenn bei einigen die Gründe hierfür nicht nur in dem Konzept der Nachhaltigkeit liegen mögen, sondern durchaus auch in den hohen Immobilienpreisen, Miet- und Wohnnebenkosten, kann davon ausgegangen werden, dass es in der Gesellschaft bereits positive Ansatzpunkte für Suffizienz gibt. Grundsätzlich geht es bei Suffizienz darum, bewusst zu konsumieren und möglichst nur so viele Ressourcen zu verbrauchen, dass auch zukünftige Generationen ihre Bedürfnisse decken können.

Zum Weiterlesen:

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